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Wie wählt man das richtige ERP?

Mit diesem Entscheid leben Sie zehn Jahre — und die meisten Ratschläge dazu kommen von Leuten, die selbst die Antwort sein möchten. So wählen Sie ein ERP, wie Sie jeden langfristigen Partner wählen würden: nach dem, was nach den Flitterwochen passiert, nicht nach der Demo.

Die kurze Antwort

Wählen Sie das System, das Ihre Kernprozesse im Standard abbildet, das Ihre eigenen Leute nach dem Go-live verändern können und das Sie mit Ihren Daten wieder verlassen könnten — von einem Partner, den es in fünf Jahren noch gibt. Beurteilen Sie es nach den Gesamtkosten über fünf Jahre, nicht nach dem Preis pro User. Und beurteilen Sie es nach dem, was nach den Flitterwochen passiert, denn dort verbringen Sie neun der zehn Jahre.

Alles andere — Funktionslisten, Markennamen, der Glanz der Demo — ist Lärm, und zwar lauter Lärm, weil es genau das ist, worauf Anbieter zu konkurrieren gelernt haben. Die zwei Dinge, über die ERP-Anwender Jahre nach dem Entscheid am meisten klagen, sind Betriebskosten und Schnittstellen: Die grösste deutschsprachige Anwenderstudie zu ERP-Installationen, mit über 1’500 untersuchten Systemen, findet genau diese beiden an der Spitze der Liste. Keines davon sieht man in einer Demo. Beide werden bei der Auswahl entschieden.

Dieser Leitfaden ist der Prozess, den wir einem Freund empfehlen würden: von den eigenen Prozessen ausgehen, nach sieben Kriterien urteilen, die Auswahl in acht Schritten und rund drei Monaten durchziehen, Demos so führen, dass sie die Wahrheit zeigen, die Warnsignale und die klassischen Fehler kennen, die Schweizer Besonderheiten prüfen — und mit einer Checkliste auf einer Seite abschliessen, die Sie jedem Anbieter vorlegen können.

In einem Satz

Wählen Sie das ERP, das Ihre eigenen Leute anpassen können, mit einem Vertrag, den Sie verlassen können, von einem Partner, den es noch geben wird — die Funktionen sind der einfache Teil.

Bei den Prozessen anfangen, nicht bei den Anbietern

Der häufigste Einstieg in eine ERP-Auswahl: «bestes ERP für KMU» googeln, drei Demos buchen und sich von den Anbietern erklären lassen, was man braucht. Es ist auch der zuverlässigste Weg zum falschen System, denn jede Demo ist eine Geschichte über die Stärken des Anbieters — und nach dreien haben Sie drei Kriterienkataloge, von denen keiner Ihrer ist.

Beginnen Sie stattdessen auf Ihrer Seite des Tisches. Nehmen Sie die Abläufe, die Ihr Unternehmen tatsächlich tragen — bei den meisten KMU sind es etwa zehn: von der Offerte zum Auftrag, vom Auftrag zur Lieferung, von der Lieferung zur Rechnung, von der Rechnung zur Zahlung, Einkauf, Lager, Projekte oder Produktion, Monatsabschluss, Lohn und Reporting — und halten Sie für jeden drei Dinge fest. Wie er heute funktioniert, in zwei Absätzen. Wo er weh tut, konkret: die Doppelerfassung, die Tabelle, die Frage, die eine Woche braucht. Und was im neuen System funktionieren muss, sollte und nett wäre.

Dieses Dokument ist Ihr Pflichtenheft, und es sollte zwanzig Seiten haben, nicht zweihundert. Lange Anforderungskataloge werden zu Funktionslisten, die jeder Anbieter abhakt und niemand liest. Kurze werden ehrlich beantwortet, und sie liefern später das Drehbuch für die Demos. Schreiben Sie es mit den Leuten, die die Arbeit machen, nicht nur mit denen, die sie führen: Wer Aufträge erfasst, weiss auf eine Art, wo das System schnell sein muss, wie es die Finanzchefin nicht wissen kann.

Zwei Dinge gehören noch hinein. Die Liste der Tools, die Sie behalten — Webshop, CRM, Lohnbuchhaltung, Bank —, denn jedes davon ist eine Schnittstelle, die gebaut werden muss. Und eine Liste dessen, was Sie bewusst nicht individualisieren: die Spezialfälle, die Sie im Tausch gegen Standardsoftware aufgeben. Diese Liste ist das wirksamste Kostenkontrollinstrument des ganzen Projekts, und fast niemand schreibt sie auf.

Wenn Sie noch nicht sicher sind, ob Sie überhaupt ein ERP brauchen oder ob es noch zu früh ist, beginnen Sie mit Wann braucht man ein ERP? Dieser Artikel setzt voraus, dass Sie sich dafür entschieden haben.

Die sieben Kriterien, auf die es ankommt

Jedes System auf Ihrer Longlist hat mehr Funktionen, als Sie je nutzen werden. Genau deshalb ist der Funktionsumfang das schlechteste Kriterium überhaupt: Er kann die Kandidaten nicht unterscheiden, und er lenkt von dem ab, was es kann. Diese sieben können es.

1. Prozessabdeckung — im Standard

Bildet das System Ihre Kernabläufe ab Werk ab, so wie Sie arbeiten, mit höchstens Konfiguration? Nicht «kann man es dazu bringen» — dazu bringen kann man alles. Die Frage ist, wie viel von Ihrem Geschäft im Standard lebt und wie viel gebaut werden müsste. Ein System, das für Ihre Art von Unternehmen gemacht ist — Handel, Dienstleistung, Produktion, Projekte —, bringt Sie im Standard weiter als ein Generalist, dem man erst beibringen muss, was eine Stückliste ist.

2. Anpassbarkeit nach dem Go-live

Ihr Geschäft wird sich in den nächsten zehn Jahren stärker verändern als in den letzten zehn. Die entscheidende Frage ist, wie das System mit ihm mitgeht: Können Ihre eigenen Leute ein Feld, einen Schritt, eine Ansicht, eine Auswertung hinzufügen — oder geht jede Änderung als Change Request zum Tagessatz zurück an den Partner? Dieses eine Kriterium entscheidet den Grossteil der Betriebskosten, und es ist das, was Anbieter am wenigsten gern vorführen. Bestehen Sie darauf.

3. Gesamtkosten über fünf Jahre

Lizenzen, Einführung, Schnittstellen, Schulung, die Stunden Ihrer eigenen Leute, Support, Updates und die Change Requests aus Kriterium zwei — über fünf Jahre addiert, pro Kandidat. Es ist die einzige Kostenzahl, die sich zwischen Anbietern vergleichen lässt, denn der User-Preis ist die eine Zeile, die alle ähnlich aussehen lassen können. Wir haben die ganze Rechnung auseinandergenommen in Was kostet ein ERP-System?

4. Integration

Der zweitgrösste Kritikpunkt von ERP-Anwendern, Jahre nach der Wahl. Welche der Tools, die Sie behalten, bindet das System mit einem standardisierten, gepflegten Konnektor an? Gibt es eine offene, dokumentierte Schnittstelle für den Rest — und wer zahlt, wenn die andere Seite ein Update macht? Wenige Standard-Integrationen schlagen viele massgeschneiderte, und ein System, das drei Ihrer Tools gleich ganz ersetzt, ist mehr wert als eines, das sich mit allen verbindet.

5. Bedienbarkeit für die, die täglich damit arbeiten

Ein ERP wird acht Stunden am Tag von Leuten benutzt, die es nicht ausgewählt haben. Ist es langsam, überladen oder für den Buchhalter gebaut statt für die Person, die den Auftrag annimmt, werden sie es umgehen — und die Schatten-Tabellen, die Sie abschaffen wollten, sind innert eines Jahres zurück. Lassen Sie diese Leute in der Demo ans Steuer, und zählen Sie die Klicks für das, was sie hundertmal pro Woche tun.

6. Datenhoheit und Ausstieg

Wem gehören die Daten, wo liegen sie, und wie bekommen Sie sie heraus? Ein seriöser Anbieter antwortet in einem Satz: Sie gehören Ihnen, sie liegen hier, und das ist der Export — vollständig, in einem dokumentierten Format, zu diesem Preis. Fehlt dieser Satz, ist das die Migrationsfalle im Voraus. In der Schweiz kommt dazu: Liegen die Daten in der Schweiz oder in der EU, und was sagt der Vertrag zum revidierten Datenschutzgesetz?

7. Der Partner

Für die meisten KMU zählt der Einführungspartner mehr als die Softwaremarke. Er konfiguriert das System, migriert Ihre Daten, schult Ihre Leute und nimmt jahrelang Ihre Anrufe entgegen. Fragen Sie, wer genau in Ihrem Projekt arbeiten wird, was der Tagessatz ist, wie viele Kunden Ihrer Grösse und Branche er hat — und ob Sie sein grösster Kunde wären oder sein kleinster. Beides ist ein Risiko.

Der Auswahlprozess, Schritt für Schritt

Acht Schritte, zwei bis vier Monate, wenn jemand sie verantwortet. Der wichtigste Entscheid des ganzen Prozesses fällt, bevor er beginnt: eine Person zu benennen, die Zeit und Befugnis hat, ihn zu führen. Auswahlverfahren ohne Verantwortlichen scheitern nicht; sie hören einfach nie auf.

01Definieren

3–4 Wochen

Ihre zehn Abläufe, ihre Schmerzpunkte, Muss/Soll/Kann, die Tools, die bleiben, die Anpassungen, die Sie ablehnen. Geschrieben mit den Leuten, die die Arbeit machen. Zwanzig Seiten.

02Longlist

1 Woche

Fünf bis acht Kandidaten, die Ihre Branche und Ihre Grösse in Ihrem Land bedienen. Fragen Sie Berufskollegen, was sie einsetzen und was sie nicht mehr wählen würden. Ignorieren Sie Ranglisten von Leuten, die Anbietergeld nehmen.

03Schriftliche Antworten

3 Wochen

Schicken Sie jedem Kandidaten dasselbe Dokument und verlangen Sie schriftliche Antworten: Standard, Konfiguration oder Entwicklung — pro Anforderung — plus eine erste Kostenindikation über fünf Jahre. Vage Antworten sind Antworten.

04Shortlist

1 Woche

Drei Kandidaten, nicht mehr. Raus fliegt, wer für einen Kernprozess Entwicklung braucht, wer sich schriftlich nicht zu Ausstiegsbedingungen bekennt, und wessen Fünfjahreskosten ohne Grund ein Ausreisser sind.

05Demos nach Drehbuch

3 Wochen

Zwei bis drei Stunden pro Finalist, nach Ihrem Drehbuch, mit Ihren Daten, gesteuert von Ihren Leuten. Dasselbe Drehbuch für alle drei — damit Sie Systeme vergleichen und nicht Präsentatoren.

06Referenzen

2 Wochen

Zwei Gespräche pro Finalist mit Kunden Ihrer Grösse und Branche, ausgewählt aus einer Liste von fünf, die der Anbieter Ihnen gibt. Fragen Sie nach den Change Requests, dem letzten Update, der Reaktionszeit des Supports — und was sie heute anders machen würden.

07Fünfjahreskosten und Risiken

1 Woche

Ein Blatt pro Finalist: jeder Kostenblock über fünf Jahre, inklusive Ihrer eigenen Stunden und dem Change-Request-Satz. Dann die Risiken: Partnergrösse, Roadmap, Ausstieg. Bewerten Sie die sieben Kriterien — aber lassen Sie das Blatt mit Ihrem Bauchgefühl streiten, nicht es ersetzen.

08Vertrag

2–4 Wochen

Verhandeln Sie, was später weh tut, nicht den User-Preis: Ausstieg und Datenexport, Obergrenzen für Preiserhöhungen, Change-Request-Sätze, Reaktionszeiten im Support, was passiert, wenn der Partner übernommen wird. Fixpreis für die Einführung, wo immer möglich.

Ein Pilot — ein paar Wochen echte Arbeit in einer Testumgebung mit dem Sieger — lohnt sich zwischen Schritt sieben und dem Vertrag, wenn das System Produktion oder Lager steuern wird. Er kostet ein paar tausend Franken und hat schon Unternehmen vor sechsstelligen Fehlern bewahrt.

Wie eine Demo die Wahrheit zeigt

Eine Standard-Anbieterdemo ist eine geprobte Geschichte mit perfekten Daten, erzählt vom besten Präsentator, den der Anbieter hat. Sie zeigt Ihnen, dass der Präsentator gut ist. Um etwas über das System zu erfahren, müssen Sie selbst ans Steuer.

1.
Das Drehbuch vorab schicken: Fünf bis acht Szenarien aus Ihren Anforderungen: dieser Auftrag, diese Ausnahme, diese Frage zum Monatsabschluss. Dasselbe Drehbuch an jeden Finalisten. Der Anbieter bekommt zwei Wochen Vorbereitung — und wenn er Ihre Szenarien nach zwei Wochen nicht im Standard zeigen kann, ist das Ihre Antwort.
2.
Ihre Daten verwenden: Schicken Sie fünfzig echte Kunden, hundert Artikel, einen Monat Aufträge. Demodaten sind dafür gemacht, gut auszusehen. Ihre sind dafür gemacht, zu zeigen, wo das Modell des Systems und Ihr Geschäft sich widersprechen.
3.
Ihre Leute ans Steuer lassen: Geben Sie die Maus zehn Minuten lang der Person, die künftig Aufträge erfasst — ohne Hilfe. Nichts in der ganzen Auswahl ist aufschlussreicher, als zuzusehen, wie sie den nächsten Schritt findet. Oder nicht findet.
4.
Klicks zählen: Für die drei Dinge, die Ihre Leute hundertmal pro Woche tun. Zwei Klicks statt neun sind hundert Stunden im Jahr pro Person.
5.
Live etwas ändern lassen: Ein neues Feld auf dem Auftrag. Ein zusätzlicher Freigabeschritt. Eine andere Spalte in der Auswertung. Schauen Sie, wer es macht — der Präsentator oder ein Entwickler, den er anrufen muss — und wie lange es dauert. Das ist Kriterium zwei, vor Ihren Augen.
6.
Auf die Zukunftsform hören: «Das würden wir im Projekt lösen.» «Das würden wir bauen.» «Das ist auf der Roadmap.» Jede Antwort in der Zukunftsform ist eine Anforderung, die nicht im Standard ist. Schreiben Sie sie auf; sie sind Ihre Kostenschätzung.
7.
Nach dem letzten Update fragen: Was sich für Kunden geändert hat, was kaputtging, wie lange es dauerte, was es sie gekostet hat. Update-Schmerz ist der Betriebskostenposten, den niemand vorführt.

Warnsignale

Keines davon ist für sich allein ein Ausschlusskriterium. Zwei davon zusammen schon.

1.
Keine schriftlichen Antworten: Ein Anbieter, der es Ihnen lieber «in einer Demo zeigen» möchte, statt Ihre Anforderungen schriftlich zu beantworten, vermeidet eine Aufzeichnung davon, was Standard ist und was nicht.
2.
Die Einführung ist eine Schätzung, kein Preis: Schätzungen in Beratungstagen machen Ihr Projekt zum Puffer für seinen Verkaufspreis. Verlangen Sie einen Fixpreis für den definierten Umfang und eine Preisliste für alles darüber hinaus.
3.
Ausstiegsbedingungen sind «normalerweise kein Problem»: Wenn Datenexport, Format und Preis nicht im Vertrag stehen, existieren sie nicht. Genau deshalb bleiben Unternehmen auf Systemen, die sie nicht mögen.
4.
Jede Anforderung ist «möglich»: Möglich ist alles. Ihre Frage war, ob es Standard ist. Ein Anbieter, der die beiden nicht unterscheidet, kennt entweder sein Produkt nicht — oder will nicht, dass Sie es kennen.
5.
Die Referenzkunden sind alle grösser als Sie — oder alle kleiner: Sie wollen ein normaler Kunde sein, nicht der Pionier und nicht die Nebensache. Verlangen Sie Referenzen Ihrer Grösse in Ihrer Branche, und wählen Sie aus einer Liste von fünf, nicht aus den zwei, die man Ihnen anbietet.
6.
Rabattdruck vor der Demo: «Dieser Preis gilt bis Ende Quartal.» Ein ernsthafter ERP-Entscheid braucht drei Monate. Ein Anbieter, der es schneller braucht, optimiert sein Quartal, nicht Ihr Jahrzehnt.
7.
Starke Individualisierung wird als Stärke verkauft: «Wir bauen Ihnen alles, was Sie brauchen» klingt nach Flexibilität. Es ist das Versprechen, Ihr Geschäft in ein System zu programmieren, in dem jedes Update zweimal bezahlt werden muss.
8.
Der Partner ist ein Einmannbetrieb — oder ein Konzern mit 5’000 Leuten: Der eine überlebt keine Ferien; der andere reicht Sie ans Juniorteam weiter. Sie wollen einen Partner, für den Sie ein echter Kunde sind, ohne der einzige zu sein.

Die Fehler, die alle machen

Die Auswahlfehler sind so wiedererkennbar wie die zehn Anzeichen, dass man ein ERP braucht. Die meisten Unternehmen machen mindestens drei davon — und alle sind vermeidbar, sobald man sie beim Namen nennt.

1.
Die grösste Marke wählen: Dafür wurde noch niemand entlassen — und etliche Unternehmen bekamen ein System, das für einen Konzern mit 5’000 Leuten gebaut, bepreist und eingeführt wurde. Wählen Sie das System, das für Ihre Grösse gemacht ist; die Marke wird Ihre Supportanrufe nicht entgegennehmen.
2.
Den Anbieter die Anforderungen schreiben lassen: Anbietervorlagen sind Kataloge der Anbieterfunktionen, formuliert als Bedürfnisse. Schreiben Sie Ihre eigenen, kurz, aus Ihren eigenen Prozessen — vor der ersten Demo.
3.
User-Preise vergleichen: Die eine Zahl, die jeder Anbieter ähnlich aussehen lassen kann. Vergleichen Sie das Fünfjahrestotal inklusive Ihrer eigenen Stunden und dem Change-Request-Satz — sonst vergleichen Sie nichts.
4.
Nur von oben auswählen — oder nur aus der IT: Die Geschäftsleitung allein kauft das Reporting; die IT allein kauft die Architektur. Die Leute, die acht Stunden am Tag im System verbringen, entscheiden, ob es genutzt wird. Holen Sie sie in die Demos.
5.
Das alte System nachbauen: Der Instinkt sagt: Das neue System soll genau das tun, was das alte tat, plus die Korrekturen. So wird aus einem Standardprodukt schon vor dem Go-live eine Individuallösung. Geben Sie Gewohnheiten auf; behalten Sie nur die Spezialfälle, die ein echter Vorteil sind.
6.
Den Partner ignorieren: Wochen für die Software, ein Nachmittag für die Leute, die sie einführen. Drehen Sie das Verhältnis um — für die meisten KMU entscheidet der Partner über den Ausgang.
7.
Kein Ausstiegsplan auf dem Weg hinein: Datenexport, Format und Preis gehören in den Vertrag, den Sie unterschreiben, denn in dem Moment, in dem Sie sie brauchen, haben Sie keinen Hebel mehr.
8.
Entscheiden, um fertig zu sein: Nach drei Monaten Demos wählt die Erschöpfung. Bauen Sie den Prozess so, dass der Entscheid auf dem Fünfjahresblatt und den Referenzgesprächen beruht — an einem Tag, an dem niemand müde ist.

Was ein Schweizer Unternehmen prüfen sollte

Internationale Systeme werden zuerst für ihren Heimmarkt gebaut und später lokalisiert — manchmal gründlich, manchmal mit einem Plug-in von einem Partner, den es inzwischen nicht mehr gibt. Für ein Schweizer KMU sind das die Punkte, an denen «lokalisiert» überprüft werden muss und nicht geglaubt.

1.
QR-Rechnung und Zahlungsverkehr: QR-Rechnungen mit korrekter Referenz ausstellen, sie auf der Einkaufsseite einlesen und Bankzahlungen (camt-Dateien, EBICS oder eine direkte Bankanbindung) automatisch abgleichen. Lassen Sie sich einen Zahlungslauf und einen Bankabgleich zeigen, keine Folie.
2.
Mehrwertsteuer: Beide Abrechnungsmethoden — effektiv und Saldosteuersatz —, die aktuellen Sätze, das Abrechnungsformular und der Umgang mit ausländischer MWST, wenn Sie ins Ausland verkaufen. Ein System, das nur eine Methode kennt, kostet Sie jedes Quartal die Umgehungslösung Ihres Treuhänders.
3.
Lohn: Entweder eine Swissdec-zertifizierte Lohnbuchhaltung im System oder eine saubere Schnittstelle zum Schweizer Lohnanbieter, den Sie schon nutzen. Beides ist kein Detail: Der Lohn ist das Modul, in dem «lokalisiert» am häufigsten versagt.
4.
Sprachen und Währungen: Deutsch, Französisch und Italienisch für Belege und, wenn Ihre Leute es brauchen, für die Oberfläche. Mehrwährungsfähigkeit mit sauberer Kursbehandlung, wenn Sie in Euro einkaufen oder verkaufen — was die meisten Schweizer KMU tun.
5.
Datenstandort und Datenschutzgesetz: Wo die Daten liegen, ob die Schweiz oder die EU vertraglich zugesichert ist, und wie der Anbieter Ihre Pflichten nach dem revidierten Datenschutzgesetz unterstützt. «Cloud» ist kein Standort.
6.
Schweizer Support in Ihrer Sprache: Ein Partner mit Leuten in der Schweiz, die zu Schweizer Bürozeiten ans Telefon gehen. Support über ein Callcenter zwei Zeitzonen weiter ist ein verkleideter Betriebskostenposten.

Wie KI die Kriterien verändert

Jeder Anbieter auf Ihrer Longlist hat inzwischen eine KI-Folie. Dieselbe Anwenderstudie, die Betriebskosten und Schnittstellen an die Spitze der Kritik setzt, findet KI bei 57 Prozent der Unternehmen auf der Agenda — und breit im Einsatz bei unter zwei Prozent. Stellen Sie also die einzige Frage, die eine Folie von einem Produkt unterscheidet: Zeigen Sie mir, was sie tut — im Standard, mit meinen Daten, heute.

Die tiefere Veränderung betrifft Kriterium zwei. In einem klassischen ERP ist Anpassbarkeit eine Dienstleistung, die Sie beim Partner kaufen, und die sieben Kriterien sind eine Methode, abzuschätzen, wie viel davon Sie brauchen werden. In einem KI-nativen ERP ist Anpassbarkeit eine Eigenschaft des Produkts: Die Menschen, die mit dem System arbeiten, formen es in normaler Sprache um — das Feld, den Schritt, die Ansicht, die Auswertung —, und die Migration geschieht mit dem System statt um es herum. Wenn das zutrifft, schrumpft das Partnerkriterium, die Fünfjahreskosten ändern ihre Form, und die Funktionsliste zählt noch weniger als vorher, weil das System die Funktion, die Sie brauchen, dann wachsen lässt, wenn Sie sie brauchen.

Auch die Demo kehrt sich um. Statt zu fragen, ob sich das System an Ihr Geschäft anpassen lässt, fragen Sie, wie schnell es sich selbst anpasst — und schauen dabei zu, mit derselben Anfrage, die Sie sonst auf ein Change-Request-Formular geschrieben hätten.

Tenebrax baut das ERP, das diese Auswahl von Haus aus besteht — KI-nativ von Grund auf, angepasst von den Menschen, die damit arbeiten, statt von Beratern, migriert mit KI, und mit Ihren Daten jederzeit verlassbar. Kein Einführungsmarathon. Keine Change-Request-Gebühren. Keine Migrationsfalle.

Die Checkliste auf einer Seite

Zwölf Fragen, pro Finalist, schriftlich beantwortet. Ein Ja ist ein Ja mit Beleg — eine Demo, die Sie selbst gesteuert haben, eine Klausel im Vertrag, eine Referenz, die es bestätigt hat.

1.Bildet das System unsere zehn Kernabläufe im Standard ab — gezeigt mit unseren Daten, gesteuert von unseren Leuten?
2.Können unsere eigenen Mitarbeitenden ein Feld, einen Schritt, eine Ansicht und eine Auswertung hinzufügen — live vorgeführt, ohne Entwickler?
3.Haben wir pro Finalist die Gesamtkosten über fünf Jahre, inklusive unserer eigenen Stunden und dem Change-Request-Satz?
4.Ist jedes Tool, das wir behalten, über einen standardisierten, gepflegten Konnektor oder eine dokumentierte Schnittstelle angebunden — mit dem Preis pro Schnittstelle schriftlich?
5.Haben die Leute, die täglich damit arbeiten werden, die Demo gesteuert — und wollten sie weitermachen?
6.Stehen Datenexport, Format und Preis im Vertrag — und ist der Datenstandort zugesichert?
7.Wissen wir, wer genau uns einführen und betreuen wird, zu welchem Tagessatz — und haben wir mit zwei Kunden unserer Grösse gesprochen?
8.Ist die Einführung ein Fixpreis für einen definierten Umfang, mit einer Preisliste für alles darüber hinaus?
9.Sind Preiserhöhungen gedeckelt und Support-Reaktionszeiten im Vertrag definiert?
10.Ist unsere Liste der Dinge, die wir nicht individualisieren, aufgeschrieben und von denen abgesegnet, die sie wollten?
11.Für ein Schweizer Unternehmen: QR-Rechnung, Bankabgleich, beide MWST-Methoden, Lohn, Sprachen — geprüft, nicht versprochen?
12.Würden wir dieses System auch wählen, wenn der Präsentator schlecht gewesen wäre?

Das Fazit

Zwölfmal Ja: unterschreiben. Zehn oder elf: die fehlenden Punkte vor der Unterschrift in den Vertrag verhandeln. Weniger: Die Demo war besser als das System. Suchen Sie weiter — ein schlechtes ERP kostet mehr als ein spätes.

Häufige Fragen

Wie wähle ich das richtige ERP für mein Unternehmen?

Gehen Sie von Ihren eigenen Prozessen aus, nicht von Anbieterlisten: Schreiben Sie die zehn Abläufe auf, die Ihr Geschäft tragen, und wo sie heute weh tun. Beurteilen Sie die Kandidaten dann anhand von sieben Punkten — Prozessabdeckung im Standard, Anpassbarkeit nach dem Go-live, Gesamtkosten über fünf Jahre, Integration, Bedienbarkeit für die Leute, die täglich damit arbeiten, Datenhoheit und Ausstieg sowie der Einführungspartner. Drei in die engere Wahl, Demos nach Ihrem Drehbuch mit Ihren Szenarien, Referenzen anrufen, und den Vertrag über Ausstieg und Change-Request-Konditionen verhandeln, nicht über den User-Preis.

Was sind die wichtigsten Kriterien bei der ERP-Auswahl?

Zuerst Prozessabdeckung und Anpassbarkeit: Laufen Ihre Kernabläufe im Standard des Systems, und können Ihre eigenen Leute es ohne Berater verändern? Dann die Gesamtkosten über fünf Jahre, die Integration mit den Tools, die Sie behalten, die Bedienbarkeit, Datenhoheit und Ausstiegsbedingungen sowie die Qualität des Partners, der einführt und betreut. Der Funktionsumfang ist das am wenigsten brauchbare Kriterium — jedes ernsthafte System hat mehr Funktionen, als Sie je nutzen werden.

Wie viele ERP-Anbieter sollten wir vergleichen?

Eine Longlist von fünf bis acht, eine Shortlist von drei. Unter drei haben Sie keinen echten Vergleich; über drei wachsen Demos, Referenzgespräche und Auswertung über das hinaus, was ein kleines Unternehmen sauber bewältigen kann. Sortieren Sie anhand schriftlicher Antworten auf Ihre Anforderungen aus, bevor Sie Zeit in Demos investieren.

Brauchen wir einen Berater für die ERP-Auswahl?

Nicht zwingend — aber jemanden mit Zeit und Entscheidungsbefugnis, der die Auswahl verantwortet. Ein unabhängiger Auswahlberater lohnt sich, wenn im Unternehmen noch niemand ein Softwareprojekt geleitet hat oder wenn grosse Systeme mit komplexer Lizenzierung auf der Shortlist stehen. Vorsicht bei Beratern, die von Anbietern bezahlt werden, und bei jedem, der Ihnen am ersten Tag eine 200-seitige Anforderungsvorlage überreicht.

Brauchen wir ein Pflichtenheft?

Sie brauchen ein kurzes, ehrliches: ein bis zwei Seiten pro Kernprozess mit dem, was funktionieren muss, sollte und nett wäre — dazu die bekannten Schmerzpunkte und die Dinge, die Sie bewusst nicht individualisieren. Zwanzig Seiten schlagen zweihundert. Das Dokument ist dafür da, dass Anbieter schriftlich antworten können und Demos ein Drehbuch bekommen; es ist kein Vertragsanhang, und es sollte nicht von einem Anbieter geschrieben werden.

Wie lange dauert eine ERP-Auswahl?

Zwei bis vier Monate für ein kleines oder mittleres Unternehmen, wenn jemand sie verantwortet: drei bis vier Wochen für Anforderungen und Longlist, drei bis vier Wochen für schriftliche Antworten und Shortlist, vier bis sechs Wochen für Demos, Referenzen und Gesamtkostenrechnung, zwei bis vier Wochen für den Vertrag. Auswahlverfahren, die ein Jahr dauern, fehlt meist nicht die Information, sondern der Verantwortliche.

Welche Fragen sollten wir einem ERP-Anbieter stellen?

Zeigen Sie uns unseren eigenen Auftrag, wie er durch Ihren Standard läuft — mit unseren Daten. Was passiert nach dem Go-live, wenn wir ein neues Feld, einen zusätzlichen Freigabeschritt oder eine neue Auswertung brauchen — wer macht das, wie lange dauert es, was kostet es? Welche unserer Anforderungen werden konfiguriert, welche programmiert? Wie bekommen wir unsere Daten heraus, in welchem Format, zu welchem Preis? Wann war Ihre letzte Preiserhöhung, und was steht im Vertrag zur nächsten? Und: Welche Ihrer Kunden in unserer Grösse und Branche dürfen wir anrufen?